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    Wieviel Bitcoin ist gut fürs Portfolio? / Kryptoassets – SNB Finance

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    Nicht erst, seitdem Tesla im Februar bekannt gegeben hat, 1,5 Milliarden Dollar in Bitcoins investiert zu haben, befindet sich die Kryptowährung auf einem unvergleichlichen Höhenflug. Wenngleich Elon Musk damit nochmal den „Kursturbo“ gezündet hat, ist der Bitcoin-Kurs schon seit November letzten Jahres im Aufstieg begriffen. Und es stellt sich mehr denn je die Frage, ob und in welchem Umfang ein Bitcoin-Anteil im Portfolio Nutzen stiften kann.

    Vor dem Hintergrund der beeindruckenden Kurshistorie wäre die naheliegende Antwort: Der Bitcoin-Anteil sollte so hoch wie möglich sein. Aber wieviel genau ist „so hoch wie möglich“ und wäre es nicht auch gut, die Aussage um „so viel wie nötig“ zu ergänzen? Hierzu will dieser Artikel einige Denkanstöße geben. Denn klar ist: Ein so hochvolatiles Asset wie der Bitcoin ist mit klassischen Asset Allokations-Ansätzen nicht so einfach zu greifen. Allein die abgelaufene (Stand 16.04.2021) zeigt das eindrücklich: Zwischen Wochenhöchst- und Wochentiefstkurs lagen über 20%

    Das Setup

    Unser Setup ist wie folgt: Der Betrachtungszeitraum startet am 01.01.2013 und endet am 08.04.2021. Die Grundlage bildet ein klassisches Equity-/Bond-Portfolio in EUR, das zu 60% aus dem SPDR MSCI ACWI ETF und zu 40% aus dem iShares Global Govt Bond ETF besteht. Bitcoins wurden in unterschiedlichem Umfang beigemischt. Das Portfoliovolumen liegt initial bei 1.000 EUR. Dabei steht nicht im Vordergrund, über welches Produkt dies am besten realisiert werden kann (das ist einen eigenen Artikel wert), sondern welcher Rahmen berücksichtigt werden sollte, um die Bestie „Bitcoin“ am besten im Zaum zu halten. Ebenso geht es auch nicht darum, Analysen auf die letzte Nachkommastelle genau auszuwerten, sondern generelle Aussagen abzuleiten – denn allein schon die Uhrzeit eines Bitcoin-Investments kann größere Unterschiede im späteren Portfoliowert ausmachen. Daher wird auch auf die Berücksichtigung von Transaktionskosten verzichtet.

    Rebalancing tut gut

    Wenig überraschend ist die erste Erkenntnis, dass ein regelmäßiges Rebalancing bei einem so volatilen Asset wie dem Bitocin unerlässlich ist. Startet man in 2013 mit einem Bitcoin-Anteil von 4%, so hat die Kryptowährung das Portfolio bis zum April dieses Jahres praktisch vollständig gekapert, wie die unten stehende Grafik mit den Portfolioanteilen eindrücklich zeigt:

    Read more: Krypto 1×1: Wie eine geringe Bitcoin-Beimischung das Risikoprofil eines Standard-Portfolios verändern kann

    Aus dem ursprünglich diversifizierten Portfolio ist faktisch ein reines Bitcoin-Portfolio geworden. Ebenso beeindruckend wie die damit einhergehende Performance dieses Portfolios, die bei sagenhaften 89% pro Jahr liegt, sind auch die Drawdowns. Die bewegen sich im Extremfall auf einem Niveau von über 80% für das Gesamtportfolio(!). Gleiches gilt auch für die Volatilität des Portfolios, wie ein Blick auf die Performancekurve erahnen lässt:

    Nochmal zur Erinnerung: Das Portfolio ist mit 1.000 EUR gestartet und hatte ursprünglich lediglich 40 EUR in Bitcoins investiert.

    Es ist offensichtlich, dass ein Rebalancing nötig ist, um zu verhindern, dass der Bitcoin das komplette Portfolio übernimmt und die Portfolioperformance dominiert. Bereits mit einem jährlichen Rebalancing halbiert sich der maximale Drawdown knapp und auch die Volatilität reduziert sich drastisch. Im Gegenzug bricht aber auch – erwartungsgemäß – die Performance um deutlich mehr als die Hälfte auf 32% pro Jahr ein. Aufgrund des Zinseszinseffektes wirkt sich der Unterschied zwischen 32% und 89% auf den Portfolioendwert dramatisch aus. Anstatt der knapp 200.000 EUR im ersten Fall ohne Rebalancing, hat das Portfolio nun nur noch einen Wert von rund 10.000 EUR.

    Die Portfoliobestandteile beim jährlichen Rebalancing entwickeln sich folgendermaßen:

    Ein quartalsweises Rebalancing glättet die Portfoliozusammensetzung nochmals deutlich, erneut auf Kosten der Performance und zu Gunsten einer niedrigeren Volatilität:

    Es lässt sich also festhalten, dass dem Rebalancing bei einem so hochvolatilen Asset wie dem Bitcoin eine wichtige Bedeutung zukommt. Ein quartalsweises Rebalancing ist angebracht, um ein zu hohes Auseinanderlaufen der Zielquoten zu vermeiden.

    Flexibles Rebalancing

    Eine alternative Herangehensweise zum mechanischen Rebalancing zu definierten Zeitpunkten kann ein flexibles Rebalancing sein. Dieses wird dann durchgeführt, wenn der Bitcoin-Anteil einen vorgegebenen Prozentwert überschreitet. Hierdurch kann der Effekt von platzenden Bitcoin-Blasen auf das Portfolio reduziert werden, bei gleichzeitig höherem Zielanteil der Kryptowährung.

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    Um dies zu verdeutlichen, soll der Bitcoin-Anteil von 4% in den vorher gehenden Berechnungen auf 6% erhöht werden. Ein Rebalancing soll immer dann stattfinden, wenn der Anteil um 200% auf 18% gestiegen ist. Vergleicht man die Performance mit dem eines jährlichen und eines quartalsweisen Rebalancings mit 4% Bitcoin-Anteil, ist das Ergebnis vergleichbar und bringt einen höheren Ertrag:

    Da der große Bitcoin-Kurssprung Ende 2013 das Bild recht stark verzerrt und Interpretationen schwierig macht, soll der Zeitraum ab dem 1.1.2015 betrachtet werden (die drei Portfolien sind jeweils per Anfang 2015 auf 1.000 indexiert):

    Ein dynamischer Rebalancing-Ansatz bei gleichzeitig höherer Bitcoin-Zielquote erhöht zwar moderat die Volatilität des Portfolios, trägt aber auch zu einer besseren Performance bei. Ein weiterer positiver Aspekt ist, dass beispielsweise bei einer quartalsweisen Portfolioanpassung entscheidend ist, wann im Quartal ein Bitcoin-Anstieg bzw. -Kursrückgang stattfand. Ein beginnender Kursanstieg kurz vor Quartalsende (also kurz vor dem Reblaancing) würde dem Portfolio aufgrund der mit dem Rebalancing einhergehenden Reduktion des Bitcoinanteils nur eingeschränkt zugute kommen. Der gleiche Kursanstieg zu Beginn des Quartals (also kurz nach dem Rebalancing) würde ungebremst positiv auf das Portfolio wirken. Dies ist ein Effekt, der im Zweifel unerwünscht sein dürfte, da der Bitcoin-Einfluss dadurch einen gewissen zufälligen Anteil erhält.

    Somit ist eine flexible Anpassung des Portfolios eine gute Alternative zu einem starren Rebalancing und erlaubt flexible Ausgestaltungen, abhängig von der jeweiligen Risikoneigung.

    Wer dominiert das Portfolio – Equity und Fixed Income oder Bitcoin?

    Neben dem Rebalancing ist die Frage nach dem Bitcoin-Anteil im Portfolio die zentrale. Grundsätzlich ist die Antwort hierauf abhängig von Risikotoleranz des Portfolios. Allerdings ist noch ein weiterer Aspekt zu berücksichtigen: Aufgrund der hohen Volatilität der Kryptowährung kann auch ein vergleichsweise kleiner Anteil am Portfolio zum einen die Schwankungsbreite des Portfolios insgesamt überproportional erhöhen und hierdurch zum anderen zum dominierenden Einflussfaktor auf die Portfolioperformance mutieren.

    Read more: Bitcoin Investment? Die Frage ist nicht ob, sondern wie viel

    Ein Vergleich zwischen verschiedenen Bitcoin-Anteilen (5% / 9% / 15%) im Vergleich mit einem klassischen 60:40 Mischportfolio ohne Bitcoin-Anteil (60% Aktien / 40% Anleihen; in der Grafik rot gestrichelt) verdeutlicht den Effekt (alle Portfolien jeweils mit quartalsweisem Rebalancing):

    Je höher der Bitcoin-Anteil im Portfolio ist, desto stärker dominieren die Kurskapriolen der Kryptowährung die Performanceentwicklung des gesamten Portfolios, wie der Vergleich mit dem klassischen Anlageportfolio zeigt. Anteile von 9% bzw. 15% führen zu einem deutlichen Einfluss des Bitcoins auf die Performance, die Drawdowns und die Volatilität des Portfolios. Beim 15%-Anteil führt dies dazu, dass der maximale Drawdown nicht – aufgrund des drastischen Kurseinbruchs vor allem an den Aktienmärkten – während der Coronakrise 2020 zu verzeichnen ist, sondern im Jahr 2018, ausgelöst durch den in 2017 beginnenden Bitcoin-Kurseinbruch.

    Es empfiehlt sich also, um die Charakteristika eines ausgewogenen Portfolios zu bewahren, den Bitcoin-Anteil im einstelligen Prozentbereich anzusiedeln. Wie hoch dieser genau ausfällt, hängt von der Risikoneigung des jeweiligen Portfolios ab.

    Wie umgehen mit dem Bitcoin?

    Zusammenfassend lässt sich also festhalten: Der Anteil, der dem Bitcoin (oder anderen hochvolatilen Kryptoassets) zugestanden wird, hat ebenso wie die Rebalancing-Frequenz, einen deutlich größeren Einfluss auf das Risiko- und Ertragsprofil des Portfolios als bei den klassischen Assetklassen. Ein regelmäßiges Rebalancing ist unerlässlich. Hierfür können auch dynamische Ansätze, die neben einer starren Zielquote auch noch andere Indikatoren einbeziehen können, genutzt werden. Der Portfolioanteil sollte, möchte man den Bitcoin das Portfolio nicht zu sehr dominieren lassen, eher im einstelligen Prozentbereich liegen.

    Die Zukunft wird zeigen, ob Kryptowährungen „erwachsen“ und von einer hochvolatilen, häufig als Spekulationsobjekt genutzten, zu einer kalkulierbaren Assetklasse werden. Bis es so weit ist (vielleicht auch nie), tut man gut daran, den Portfolioanteil zu begrenzen und stets im Blick zu behalten.

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