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    Die Blockchain wird in Zukunft noch viel mehr Bereiche des digitalen Lebens abdecken

    Nachdem wir in unserer Themenreihe bereits die Basics, den Handel und die rechtlichen Bedingungen rund um Non-Fungible Token aufgearbeitet haben, ist es Zeit einen Blick in die Praxis zu werfen. Hierfür haben wir uns mit Sebastian Hübsch zusammengesetzt. Er ist Investor und Coach und erklärt im Interview, warum NFTs in Zukunft wohl noch viel mehr an Bedeutung gewinnen werden.

    Ist der NFT Hype schon vorbei oder geht es jetzt erst richtig los?

    OnlinehändlerNews: Der Hype um NFTs geht nun schon eine Weile – Lohnt sich der Einstieg aktuell überhaupt noch?

    Hübsch: Der NFT Markt ist ein Teilbereich des Kryptomarktes, deshalb lassen sich auch hier Parallelen zu diesem erkennen. Die Anwendungsgebiete sind aktuell noch sehr begrenzt und überschaubar. Nichtsdestotrotz versuchen Anleger die Möglichkeiten und das Entwicklungspotential zu erkennen und investieren in diese Technologie. Dabei sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass es sich um reine Spekulation handelt, da der Anwendungsfall sich momentan, weitestgehend auf digitale Bilder beschränkt. Bei einem Blick hinter die Kulissen wird aber zunehmend deutlich, dass NFTs viel mehr als nur kleine Bilder sind.

    Mit Hilfe der zu Grunde liegenden Blockchain-Technologie lassen sich digitale Pendants zu Zertifikaten, Urkunden oder Nachweisen von Vermögenswerten erstellen. D.h.: alles wo es notwendig ist, einen eindeutigen Eigentums,- oder Herkunftsnachweis zu erbringen, kann dieser mit Hilfe von NFTs digital abgebildet werden. Somit ist es ein Markt der gigantisches Wachstumspotential hat und es sich lohnt diesen genauer zu verfolgen.

    Dabei geht es jedoch viel mehr um die Investition in Unternehmen und Projekte, welche die Technologie nutzen als um den aktuell gehypten Kauf von digitaler Kunstwerke. Zusammengefasst kann man also sagen: Investieren ja – aber in welches Gebiet von NFTs, das bedarf gründlicher Recherche.

    Den Wert einer Ware bestimmt der Konsument

    Wie stehen Sie dem Argument gegenüber, dass NFTs keine echten Werte schaffen, sondern lediglich Energie verbrauchen?

    Grundsätzlich hat eine Ware den Wert, den der Konsument ihr zuweist. Auf NFTs bezogen sind diese nichts anderes als die Transformation von analogen Werten, Gegenständen oder Echtheitszertifikaten in die digitale Welt. Deshalb stellt sich die Frage nicht, ob NFTs Werte schaffen. Viel mehr sind sie geistiges Eigentum in digitaler Form, welches dadurch einen intrinsischen Wert besitzt.

    Das Argument des Energieverbrauchs resultiert aus den Anfängen der Blockchain-Technologie, als Bitcoin die einzige existierende Blockchain darstellte. Diese wird mit einem sogenannten Proof-Of-Work (PoW) Konsens-Algorithmus betrieben. Hierbei muss zur Bestätigung von Transaktionen durch das gesamte Rechennetzwerk eine komplizierte mathematische Aufgabe gelöst werden. Durch den Betrieb dieses Rechennetzwerkes resultiert ein sehr hoher Energieverbrauch.

    NFTs dagegen werden auf Blockchains mit sogenannten „Smart Contracts“ gespeichert. Das bedeutet, dass jeder Non-Fungible Token ein kleines Computerprogramm beinhaltet, welches bei der Transaktion ausgeführt wird. So etwas ist auf der Bitcoin-Blockchain nicht möglich. Für diesen Zweck werden andere Blockchain Lösungen, wie beispielsweise Ethereum v 2.0 oder Solana, herangezogen. Diese verarbeiten Transaktionen mit Hilfe des Konsens-Algorithmus Proof-Of-Stake (PoS), bei welchem keine mathematischen Rätsel gelöst werden müssen. Das Argument mit dem hohen Energieverbrauch verliert somit seine Bedeutung.

    Als Unikate bergen NFTs grundsätzlich mehr Risiken

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    Der Kryptomarkt unterliegt generell einer hohen Volatilität und damit gewissen Risiken. NFTs basieren ebenso auf der Blockchain und werden überwiegend in Kryptowährungen gehandelt – gelten hier also die gleichen Risiken?

    Selbstverständlich liegt, wie bei jeder neuen Technologie, erst mal eine Art Wild-West-Stimmung und ein Hype zugrunde. Deshalb gilt hier, wie im gesamten Krypto-Währungsbereich sich vorher mit den entsprechenden Projekten auseinanderzusetzen und zu versuchen, das Risiko abzuschätzen.

    Diversifikation, also ein Investment in verschiedene Projekte, kann hier das Risiko verringern. Im Prinzip ist es dabei irrelevant, ob NFTs mit Kryptowährungen oder mit Fiatwährungen wie Euro oder Dollar bezahlt werden, da das Zahlungsmittel an dieser Stelle nur zum Transport des Wertes genutzt wird und nicht direkt an die Preisschwankungen des NFTs geknüpft ist.

    Der spekulative Unterschied zu einer Kryptowährung wie Bitcoin liegt darin, dass Sie den Bitcoin auf entsprechenden Handelsbörsen jederzeit in Euro oder Dollar umtauschen können. Unabhängig vom Kurs ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie einen Abnehmer finden, allzeit gegeben. Ein NFT verkaufen Sie als Unikat auf Handelsplattformen, die ähnlich wie Ebay funktionieren. Das Problem, das hierbei auftreten kann, ist jedoch, dass Ihr NFT für andere Anleger nicht mehr attraktiv ist und Sie somit keinen Käufer finden.

    Die meisten NFTs basieren auf dem Ethereum ERC-721 Standard, doch mittlerweile tun sich auch Alternativen auf. Worin bestehen die Unterschiede? Spielen diese letztlich für Anleger eine Rolle?

    Das hängt von den persönlichen Vorlieben ab. Der ERC-721 wird im Gegensatz zum ERC-1155 als Standard angesehen. Einige Anleger kaufen dabei nur NFTs, die mit diesem Standard erzeugt wurden. In der Programmierung ist es wichtig, redundanten Programmiercode zu verhindern. Das bedeutet, dass Code, der sich wiederholt, obwohl er das gleiche Resultat ausgibt, eliminiert wird.

    Der ERC-721 Standard erzeugt bei jeder Ausführung genau ein NFT. Im Gegensatz dazu bietet der ERC-1155 die Möglichkeit, mit einem Programmcode gleichzeitig verschiedene NFTs zu generieren, was somit Transaktionsgebühren spart, den Stromverbrauch verringert und insgesamt effizienter ist. Für den Käufer spielt dieser Unterschied aber keine Rolle.

    Ethereum ist Standard – trotz hoher Transaktionsgebühren

    Ein anderer Aspekt ist die Wahl der richtigen Blockchain. Der Platzhirsch an dieser Stelle ist die Ethereum-Blockchain. Hier werden ca. 80 Prozent aller NFTs erzeugt und gehandelt. Der große Nachteil sind hier jedoch die hohen Transaktionsgebühren, welche bei Erzeugung und dem Kauf anfallen. Diese können schnell 100 Euro und mehr betragen, die auf den eigentlichen Preis des NFTs aufgeschlagen werden.

    Ein Beispiel: Wenn Sie ein NFT für 100 Euro kaufen, müssten Sie es für mindestens 200 Euro weiterverkaufen, um die angefallenen Transaktionsgebühren auszugleichen. Bei einer Wertsteigerung von 100 Euro hätten Sie dann immer noch keinen Gewinn realisiert. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, sich Projekte auf alternativen Blockchains wie Solana, Avalanche oder der BinanceChain anzuschauen.

    Read more: Zukunftspotenziale der Blockchain-Technologie

    Das Handelsvolumen ist hier zwar geringer, dafür befinden sich die Gebühren im Cent Bereich. Um sich mit dem Handel und der Vorgehensweise beim Kauf oder auch der Erzeugung von NFTs vertraut zu machen, ist es also ratsam, einen Blick auf diese Alternativen zu werfen.

    Die Volatilität im Kryptobereich führt schnell zu Kopfschmerzen

    Wie sieht der Alltag als Krypto-Investor aus? Verfolgen Sie wie ein Börsianer permanent live Kursentwicklungen und neue Trends oder sollte man auch mit einer gewissen Gelassenheit an die Sache herangehen können?

    Im Endeffekt macht hier vermutlich jeder Investor seine eigene Entwicklung durch. Wenn man sein erstes Investment im Kryptobereich tätigt, dann schaut man im Anschluss alle 5 Minuten auf seine digitale Wallet, um zu sehen, wie viel Gewinn man gemacht hat. Aufgrund der starken Volatilität im Kryptobereich kann das zu sehr viel Stress und Kopfschmerzen führen.

    Wer also investieren möchte, sollte nur das Geld investieren, was er auch bereit ist zu verlieren, da ein Totalverlust grundsätzlich möglich ist. Am Anfang kann es sinnvoll sein, den größten Teil in klassischen Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum zu halten. Bitcoin ist als Standard und als Wertspeicher weitestgehend etabliert und wird von vielen Millionen Usern genutzt. Deshalb ist es unwahrscheinlich, dass Bitcoin in überschaubarer Zukunft verschwinden wird. Ethereum ist der Standard und die Basis für viele tausende andere Kryptoprojekte. An der Existenz von Ethereum hängt praktisch ein gesamter Wirtschaftszweig (NFT). Somit ist es auch hier unwahrscheinlich, dass Ethereum verschwinden wird.

    Das wichtigste ist, sich intensiv mit den Projekten, in die man investieren möchte, zu beschäftigen und dann seine Entscheidung beizubehalten.

    „Das beste Produkt hat keinen Wert, wenn es keinen gibt, der sich dafür interessiert.“

    Bringt es Kleinanlegern etwas zunächst auf Nischen-Kryptowährungen oder -NFTs zu setzen, um ein besseres Gefühl zu bekommen oder sollte man besser gleich auf etablierte Namen setzen?

    Die Gewinnchancen bei Nischenprojekten sind ungleich höher als bei etablierten Krypto-Währungen. Damit einher geht aber auch ein viel höheres Risiko. Kleine Krypto-Projekte setzen ein hohes Maß an Erfahrung voraus, um einschätzen zu können, ob hier ein Use-Case (Anwendungsfall) abgedeckt wird, welches bisher vernachlässigt wurde. Das heißt, wer wenig Erfahrung hat, sollte definitiv eher in etablierten Währungen investieren und wenn überhaupt, nur sehr kleine Geldbeträge in Nischenprodukte.

    Jeder mit dem technischen Know-how kann heutzutage NFTs kreieren und mit etwas Marketing als „das nächste große Ding“ bewerben – wie trennen Anfänger hier am besten die Spreu vom Weizen?

    Es gibt zwei wichtige Punkte. Zum einen sollte ein Use-Case des NFTs vorhanden sein, und zum anderen eine große Community. Das beste Produkt hat keinen Wert, wenn es keinen gibt, der sich dafür interessiert. Somit ist es ratsam zu schauen was für ein Onlinemarketing betrieben wird. Gibt es eine Instagram Seite, einen Discord Server, eine Telegram Gruppe und eine designierte Webseite?

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    Wenn es diese Marketingkanäle gibt, wie aktiv sind die Entwickler in diesen Gruppen? Wie viele Mitglieder existieren? Wie aktiv ist die Gruppe? Werden regelmäßig Nachrichten geteilt? Im Laufe der Zeit bekommt man ein Gefühl für den Wert und die Anerkennung, die ein NFT Projekt erfährt. Aus dieser Erfahrung kann man ableiten, ob das Projekt erfolgreich sein wird oder nicht und ob sich die Investition lohnt.

    Die Zukunft der Blockchain ist eng mit der Digitalisierung verknüpft

    Dass NFTs viel mehr als digitale Kunst sind, steht außer Frage. Welche potenziellen Anwendungsgebiete erachten Sie für die Zukunft am spannendsten?

    Lassen Sie Ihre Fantasie spielen. Die Essenz der Blockchain und insbesondere der NFTs ist die digitale Wahrheit eines einzigartigen digitalen Wertes. Das heißt, notarielle Beglaubigungen, Grundbucheinträge, Echtheitszertifikate, Testamente, Versicherungspolicen, Kunstwerke, Musik, Vermögenswerte in Form von Kryptowährungen, und so weiter lassen sich fälschungssicher einem Ersteller und / oder Besitzer zuweisen und verschieben. Gesamte Verwaltungsakte und Wirtschaftskreisläufe lassen sich somit digital, automatisiert ohne notwendige „vertrauensschaffende“ Drittparteien abbilden.

    Daraus ergibt sich eine immense Zeit- und Kostenersparnis und gleichzeitig eine reduzierte Fehleranfälligkeit. Die Frage sollte also eher lauten, welche Anwendungsgebiete werden von NFTs, oder, übergeordnet der Blockchain Technologie, nicht betroffen sein, und da wird es im Hinblick auf die globale Digitalisierung nicht viele geben.

    „Dezentral ist das Schlüsselwort.“

    Es gibt unzählige Apps und Dienste zur Verwaltung der eigenen Krypto-Assets – welche finden Sie persönlich am sinnvollsten?

    Dezentral ist das Schlüsselwort. Es gibt sehr viele Handelsplattformen von Kryptowährungen und NFTs. Diese überzeugen oft durch eine bequeme Handhabung und Übersichtlichkeit. Allerdings widersprechen sie dem Grundgedanken von Kryptowährungen. Der Eigentümer sollte gleichzeitig Besitzer seiner Werte und in der Lage sein, diese ohne eine notwendige dritte Partei (z.b. einer Bank) zu einem anderen Menschen transferieren zu können.

    Zentrale Handelsbörsen treten aber als eine Art Bank auf. Der Nutzer erstellt ein Konto, transferiert Geld dorthin und kann dann damit Kryptowährungen oder NFTs kaufen. Sehr bequem, aber der Handelsbörse gehört das Konto und somit der Inhalt. Dieser kann ohne große Hindernisse begrenzt, blockiert oder gelöscht werden.

    Ein wichtiger Leitsatz in diesem Bereich, frei übersetzt, ist: „Nicht deine Wallet, nicht dein Guthaben!“ Anders ist es im dezentralen Bereich. Auf Handelsplattformen wie OpenSea, Rarible, Uniswap oder Pancakeswap sind dagegen die digitalen Wallets der einzelnen Nutzer untereinander verbunden. Es ist keine Registrierung notwendig und das Eigentumsrecht wechselt bei Bedarf automatisch, durch die Blockchain abgesichert den Besitzer, ohne dass eine weitere Person darauf Einfluss hat oder den Handeln behindern kann.

    Zum Schluss kurz und knapp: Ihre Top drei Tipps für NFT-Einsteiger!

    1. Betreiben Sie gründliche Recherche bevor Sie investieren.
    2. Machen Sie sich vorab einen Plan, zu welchem Preis Sie ein- und wieder verkaufen wollen, ohne sich von Emotionen leiten zu lassen.
    3. Benutzen Sie, wenn möglich dezentrale Börsen, um immer die volle Kontrolle über Ihre Vermögenswerte zu haben.

    Vielen Dank für das Gespräch!

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