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    Blockchain und Versicherungen: Das Ende von B3i

    In der vergangenen Woche berichteten wir in unseren Insurtech-News über das eher stille Ende von B3i. Und das sagt viel über die aktuelle Haltung zur DLT-Technologie in der Versicherungsbranche aus.

    Es ist schon symptomatisch, dass sich lediglich die Börsenzeitung etwas intensiver mit dem Ende des Startups B3i beschäftigt hat. Über neue Initiativen und Gründungen kommuniziert es sich eben deutlich leichter, als das Ende eines Startups zu beschreiben. Dabei hatte das Unternehmen eigentlich beste genetische Voraussetzungen, denn mehr als 20 namhafte internationale Versicherer hatten sich an einer Initiative und dem gemeinsamen Kind B3i beteiligt.

    B3i war das Leuchtturmprojekt für die Blockchain

    2018 war es: Und zu dieser Zeit genügte es völlig, in einer Pressemitteilung das Wort „Blockchain“ zu erwähnen, um es auch in die Schlagzeilen zu schaffen. Die Geschichte reicht sogar noch weiter zurück. 2016 gründeten Aegon, Allianz, Munich Re, Swiss Re und Zurich gemeinsam eine Blockchain-Initiative der Versicherungsbranche B3i („Blockchain Insurance Industry Initiative“). Allesamt Branchenführer, die ausloten wollten, wie sich mit „gemeinsam genutzten Technologien schnellere, angenehmere und sicherere Services für Kunden“ entwickeln lassen. Binnen weniger Monate schlossen sich weitere Versicherer an, bis dann 2018 der Startschuss für das erste Startup gegeben wurde. Die „Blockchain“ respektive Distributed-Ledger-Technologien waren in aller Munde, nicht zuletzt wegen des einsetzenden Wirbels um Bitcoin. Hier wird ja bis heute reichlich viel in einen Topf geworfen. Das ist allerdings eine andere Geschichte.

    Die Technologie versprach tatsächlich eine deutliche Zeitersparnis, insbesondere bei der Abwicklung von über Landesgrenzen hinausreichende Verträge und Schadensmeldungen. „Smart Contracts“ lautet das elektrisierende Zauberwort. Was auf dem Papier sehr vielversprechend wirkte, erwies sich in der Praxis, aber doch schwieriger umzusetzen. Einerseits gab es einen Technologiewechsel, zum anderen haben die Entwickler vielleicht auch die Aufgabe unterschätzt, ein System aufzubauen, das mit 20 verschiedenen IT-Architekturen, darunter vielen „Legacy“-Anwendungen, zusammenarbeiten sollte.

    Was dann auf die Beine gestellt wurde, war eine auf DLT-basierende Abwicklung von größeren Elementarschäden. Was ausblieb, war eine Ausweitung der Produktpalette. Über die Gründe lassen sich nur Vermutungen anstellen. Oft ist es ja aber so, dass das Entwicklungstempo in einem Unternehmen im gleichen Maße abnimmt, wie die Geldgeber das Interesse daran verlieren.

    Es kann sein, dass irgendwann einmal jemand den Code knackt.

    Wie viel Geld die Versicherer in das mit vielen Vorschusslorbeeren gestartete Unternehmen gesteckt haben, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall sahen die Geldgeber offenbar keine Chance, dass aus dem Projekt jemals so etwas wie Profitabilität erwachsen könnten. John Dacey, CFO von SwissRE, nahm im Rahmen des Halbjahresberichts auch direkt Stellung. Und das liest sich ernüchternd:

    „Ich glaube, es war eine sehr gute Leistung, aber letzten Endes haben wir nicht das Volumen und die Nachfrage erreicht, die weitere Investitionen in diese Plattform gerechtfertigt hätten. Ich denke, dass das Konzept nach wie vor eine sehr interessante Möglichkeit für die Branche darstellt. Es kann sein, dass irgendwann einmal jemand den Code knackt. Aber zum jetzigen Zeitpunkt sah es nicht so aus, als würde sich diese Plattform rentabel entwickeln.“

    Nun gibt es, nicht nur unter US-Insurtechs, Beispiele dafür, dass die DLT-Technologie im Zusammenspiel mit Smart Contracts funktionieren können, etwa bei parametrischen Versicherungen. Und auch die Allianz betont, dass sie Blockchain-Technologie bereits erfolgreich in der Kfz-Versicherung einsetzt.

    Möglicherweise hat B3i auch das Pferd aus der falschen Richtung aufgezäumt. So lässt sich jedenfalls die Aussage von Christian Mumenthaler, CEO von Swiss Re, interpretieren: „Es müssten alle Versicherungsunternehmen intelligente Verträge erstellen. Und darauf aufbauend könnte man dann natürlich einen digitalen Rückversicherungsvertrag erstellen, der anschließend gehandelt werden kann. Damit hat man die volle Effizienz von Ende zu Ende, und wenn Ansprüche eingehen, würde man sie automatisch an den Rückversicherer weiterleiten. Das ist sehr visionär, denn es würde bedeuten, dass alle Versicherer alle IT-Systeme umstellen und intelligente Verträge erstellen müssten.“

    Vom Hype ins Jammertal?

    Möglicherweise sind Blockchain und DLT-Technologien in der Versicherungsbranche auch verzweifelt nach einem Problem, das sie lösen können. Das Ende von B3i wird jedenfalls noch eine Weile nachhallen. In einer Befragung von Global Data unter Führungskräften rangiert die Blockchain jetzt zumindest auf dem ersten Platz von Technologien, die nur ein Hype sind, aber keinerlei praktischen Nutzen haben. Das sagen jedenfalls 20,7 Prozent der Befragten. Fast 37 Prozent sehen zwar einen Hype, sehen aber einen möglichen Nutzen, an den vorbehaltlos nur 21,8 Prozent glauben.

    Da wird es die Technologie doch noch schwer haben, bis sie sich durchsetzt.

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