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    Blockchain nimmt auch in Deutschland Fahrt auf

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    „Vorteile können theoretisch überall dort entstehen, wo ein Austausch von Werten und Daten zwischen Parteien stattfindet, bei dem Vertrauen sichergestellt werden muss – also auch in der Arbeit mit Dienstleistern, im Handel, bei Streitfällen sowie bei der Revision und bei Überprüfungen durch Aufsichtsbehörden“, sagt Mustafa Cavus, IT-Architekt bei Sopra Steria.

    Ein Beispiel: gefälschte Produkte im internationalen Handel. Unechte Medikamente etwa gefährden Gewinn und Ansehen des Herstellers und die Gesundheit der Patienten. Über die Blockchain ist es möglich, Produkte oder Produkteigenschaften fälschungssicher abzuspeichern. Ein verborgener Code, der direkt auf die Tabletten gedruckt wird, mache die Lieferkette nachvollziehbar und komme Anomalitäten auf die Spur – so das Softwareunternehmen Xain. Und der Bosch-Konzern hat ein Projekt gegen manipulierte Autotachometer gestartet. Meldet das Auto regelmäßig seinen Tachostand an die Datenbank, kann die Zahl der gefahrenen Kilometer bei einem Verkauf des Autos nicht zurückgesetzt werden.

    Blockchain in der Finanzwelt

    Die LBBW hat im vergangenen Jahr mit dem Autobauer Daimler ein Pilotprojekt durchgeführt, um Finanztransaktionen über die Blockchain darzustellen. Der Autoproduzent Daimler hat über die LBBW ein Schuldscheindarlehen platziert. Von der Initiierung über die Platzierung, Zuteilung und den Vertragsabschluss bis hin zu den Zins- und Rückzahlungen wurden alle Vorgänge auf einer Blockchain digital abgebildet. Das Pilotprojekt zeigte, dass dadurch viel Zeit und Aufwand gespart werden kann. Denn viele bisher manuelle Arbeitsschritte lassen sich mit der neuen Technik automatisieren. Zum Beispiel gehen im Schuldscheingeschäft derzeit noch Unterschriften und Dokumente per Fax hin- und her. Hier schaffen in der Blockchain hinterlegte Smart Contracts – das sind Computerprotokolle, die Verträge in Code abbilden und automatisch ausführen – Abhilfe. Allerdings sind hier noch rechtliche Fragen offen. Deswegen müssen derzeit noch alle Vorgänge parallel auf dem traditionellen Weg ausgeführt werden. Das war auch bei der zweiten Blockchain-Schuldscheintransaktion der Fall, welche die LBBW kürzlich gemeinsam mit der Telefónica Deutschland AG durchgeführt hat.

    Rechtsgültig oder nicht?

    Zum Beispiel ist das Problem, sich virtuell rechtssicher zu identifizieren, bei uns noch nicht gelöst. Bislang dokumentieren Vertragsparteien ihre Erklärungen durch ihre Unterschrift oder digital verfasste Willenserklärungen. Häufig sind es auch Kombinationen, etwa der Austausch unterzeichneter und gescannter Dokumente per E-Mail. Um Blockchain im Vertragsmanagement sinnvoll einsetzen zu können, braucht es eine sichere Verbindung wie die elektronische Signatur zwischen Partnern. Das ist im Moment noch sehr aufwendig und hat sich daher in der Praxis kaum durchgesetzt.

    Die Softwarefirma SAP ist Vorreiter bei einer möglichen Lösung: Sie soll Behördengänge vereinfachen, indem Dokumente in einer virtuellen Datenbank abgelegt werden. Das Projekt läuft in Italien, denn dort ist – rechtlich gesehen – ein Dokument auch nach der Digitalisierung (Scan) ein Original. Der Vorteil: Wenn die Verifizierung eines digitalen Dokuments über die Blockchain erfolgt, muss die Echtheit nicht mehr von mehreren Personen kontrolliert und bestätigt werden.

    Blockchain: „Wir brauchen verbindliche Standards“

    Wenn Blockchain sich auf breiter Front durchsetzen soll, braucht es also einen soliden rechtlichen Rahmen. Die Aussichten stehen gut, dass sich hier auch in Deutschland bald etwas tut. „Die Einstellung der Regulierungsbehörden ist dieser neuen Technologie gegenüber erstaunlich offen und freundlich gesinnt“, erklärt LBBW-Analyst Dr. Guido Zimmermann. Auch die LBBW pflegt bei ihren Blockchain-Aktivitäten einen regen und positiven Austausch mit der Aufsicht. Sogar im Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD ist verankert, dass eine umfassende Blockchain-Strategie entwickelt und ein Rechtsrahmen geschaffen werden sollen.

    Dass das Thema sogar bei den Regierungsverhandlungen eine Rolle gespielt hat, zeigt: Blockchain ist auch bei uns mittlerweile mehr als Zukunftsmusik. Spätestens wenn Geschäftspartner und Kunden die neue Technik nutzen, sollte man einsteigen können. Der Bedarf wird gesehen: Laut Research-Abteilung des Branchenverbands Bitkom stuften bei einer Umfrage zu digitalen Themen mehr als die Hälfte der Unternehmen Blockchain als besonders relevant ein.

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